Mo 15 Okt 2007
Barbara S., Alexander H. oder wie sie alle heißen, begnügen sich nicht damit, einfach nur ein recht ’seifiges’ Bild des Gerichtsalltags zu zeichnen.
Sie machen die Justiz lieber gleich zur Lachnummer. Denn jeder Hauch von Realitätsbezug ließe die Quoten - und damit die Werbeeinahmen - ins Bodenlose stürzen. Pöbelnde Prozeßparteien sind im wirklichen Gerichts-Leben die absolute Ausnahme, dazwischenschreiende Zufallszeugen gibt es überhaupt nicht. Denn im richtigen Leben haben Gericht, Staatsanwaltschaft und Anwälte ihre Hausaufgaben vor der Verhandlung gemacht.
Alle Zeugen sind rechtzeitig ermittelt - und ordnungsgemäß geladen - worden, und wer im Sitzungssaal herumplärrt, fliegt ganz einfach raus. Tatsächlich findet Richters Alltag - oder auch Anwalts Alltag - größtenteils außerhalb des Gerichtssaales statt. Der Richter ist zu 80% seiner Arbeitszeit damit beschäftigt, Akten zu studieren, der Anwalt darf zusätzlich noch Informationsgespräche mit seinem Mandanten, der Polizei, Sachverständigen, oder Verhandlungen mit Versicherungen führen, Prozeßkostenhilfe-Anträge aufnehmen, Schriftsätze diktieren und kommt so leicht auf 150% einer 40-Stunden-Woche.
Der Gerichtstermin selber beschränkt sich dann - gerade in Zivilsachen - meist darauf, die wenigen Punkte aufzuklären, die nach den gewechselten Schriftsätzen noch offen geblieben sind; der Außenstehende, der die Schriftsätze nicht kennt, versteht da ohnehin nur Bahnhof. Aber all das ist natürlich viel zu unspektakulär, um die Zielgruppen der Hausfrauen (Hausmänner) und Arbeitslosen allnachmittäglich so an den Bildschirm zu fesseln, daß sie selbst bei der Werbung nicht wegzappen.
Und deshalb gibt die ‘vierte Gewalt’ (die veröffentlichte Meinung) die dritte Gewalt im Staate (nämlich die Justiz) der Lächerlichkeit preis. Pecunia non olet.
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